Der TAURUS genannte Neubau wurde auf einer bestehenden Tiefgarage an zentraler Stelle der Frankfurter Innenstadt errichtet. Es hat zwei architektonisch unterschiedliche Vorderseiten – eine zur Biebergasse und eine weitere zum autofreien Börsenplatz. Das Gebäude hat 7 Geschosse mit einer großen Südterrasse im 6- Obergeschoss. Oberirdisch stehen 15.380 m² zur Verfügung. Sie werden für Retail, Gastronomie und Büros genutzt.
TAURUS verleiht dem gesamten mittleren Abschnitt der Biebergasse eine ästhetische Qualität, die es dort vorher nicht gab. Dank seiner Breite und dem innovativen Fassadenkonzept entsteht an diesem Ort ein neues städtisches Raumgefühl, eine ästhetische Emotion jenseits der puren Zweckmäßigkeit. Die Architektur erreicht dies vor allem durch zwei strukturelle Mittel: zum Ersten durch die aus Naturstein gefertigten Rahmungen mit ihrer an viele große Momente der Architekturgeschichte erinnernden skulpturalen Tiefe. Zum Zweiten durch die formatfüllenden, raumhohen und nicht verspiegelten Fenster nach Süden, durch die sich ein transparentes Gebäude ergibt, das nach Innen für die Sonne und die Blicke der Passanten offen bleibt.
Der Hauptakteur sind die Natursteinelemente. Sie ergänzen die transparente Fassade mit der körperlichen Präsenz klassischer Großstadtarchitektur und verwandeln die von formlos-glatten Schaufenstergebäuden banalisierte Durchgangsstraße in einen liebenswerten, faszinierenden Ort mit einer unverwechselbaren Identität. Früher gingen die Menschen hier achtlos vorbei, um möglichst rasch eine der nahen Einkaufszonen zu erreichen – jetzt sind sie schon am Ziel, in der lebendigen, metropolitanen Frankfurter City. [...]
Das Gebäude begeistert mit der selten gewagten Vereinigung von luzider Transparenz und räumlich-körperlicher Kraft. Dies ist das Resultat der von TEK TO NIK in fast 20 Jahren zunächst theoretischen Auseinandersetzung mit Naturstein, futuristischen Gebäuden in Italien sowie dem relativ unbekannten Prager Kubismus der späten 20er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die handwerklich hoch innovative Zusammensetzung einer komplexen Geometrie aus präzise gesägten Natursteinelementen gelang schließlich mit dem Produktionspartner Hofmann Naturstein, erstmalig bei der Mainzer Landstraße 47 in Frankfurt. Architekten sind oft erstaunt, weil die mit äußerster Exaktheit geplante Plastizität nicht etwa aus Alublech gefaltet oder aus Zement gegossen ist, sondern aus Jura-Kalkstein besteht. Zudem hat die raumhohe, Licht und Augen einladende Verglasung nicht zu einer banalen Büroraster-Monotonie geführt. Vielmehr wird das System vierfach variiert. Dabei fügt sich der Neubau in das maßgebliche Umfeld ein, das ebenfalls von Naturstein und haptisch gestalteten Fassaden geprägt ist. Innen ist der TAURUS von Beziehungen zu einem post-modernen, offenen Büroleben geprägt. Zum einen sind die Büroflächen jederzeit leicht in andere Formen der Kollaboration umzubauen. Zum Zweiten erweitern drei große Terrassen und ein begrünter Innenhof die Lichterfahrung der Nutzer. Und zum Dritten sind die Fassadenelemente auch von innen in ihrer skulpturalen Körperlichkeit zu erleben, da sie an einigen Stellen vor dem Fenster wie schwebend angebracht sind.
Quelle: TEKTONIK Architekten
Fotos: Andreas Stimpert, Wonge Bergmann, Alexandre Sladkevich