Gesundheitskiosk Blankenburg

2026
Sonderbau
Wendeschleife
99955 Blankenburg
Deutschland
Sonderbau
Holz
Satteldach
mittig
hinterlüftet

Die gemeindeübergreifende Stiftung Landleben und der Verein Landengel e.V. bauen ein neues Gesundheits-, Pflege- und Versorgungsnetzwerk in der Thüringer Dorfregion Seltenrain auf. Dazu gehört das im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen entstehende Umbauprojekt Landzentrum mit verschiedenen Gesundheitsangeboten und Dienstleistungen unter einem Dach sowie dezentrale Gesundheitskioske mit Bushaltestelle in den beteiligten Gemeinden als Treffpunkt, erste Anlaufstelle für Gesundheitsfragen und als neues Mobilitätskonzept.

Die ersten fünf Gesundheitskioske in den Gemeinden Blankenburg, Bruchstedt, Kirchheilingen, Urleben und Sundhausen werden aktuell durch Pasel-K Architects als Holzbauexperimente mit Bushaltestellen realisiert.

Im Mittelpunkt des Vorhabens stehen nicht nur die Dorfbewohner:innen als Patienten, sondern auch als Bürger:innen mit ihren Bedürfnissen nach Beratung, Austausch und Treffpunkten. Anpassung an den Klima- und strukturellen Wandel

Ziel des Vorhabens ist es, die Attraktivität des Lebens auf dem Lande spürbar zu erhöhen und durch die Rückführung von Funktionen und Versorgungen vor Ort neue Perspektiven zu eröffnen und klimagerechte Mobilitäts- und Umbauprojekte anzustoßen, die die Abwanderung verhindern und die Mobilität in die Städte reduzieren. Dazu werden anhand der Gesundheitsvorsorge die einzelnen Bereiche zwischen Leistungserbringer und Versicherten zugunsten einer Verbesserung der Gesundheitsergebnisse neu vernetzt und die Vorsorge „geteilt." Gleichzeitig werden neue Arbeitsplätze und Berufsprofile gewonnen. Als Beispiel für eine Neuorientierung in der kommunalen Daseinsvorsorge bietet es darüber hinaus eine gute Erreichbarkeit von Beratungs- und Versorgungsstellen, eine Gesundheitsbildung und Kompetenzförderung zur Verbesserung von Gesundheitsproblemen und die Entwicklung einer „gesunden" klimagerechten Region (Modellregion).

Gesundheitskioske als mehrfachcodierte Bushaltestelle
Das Konzept hat das Ziel, nicht nur Gesundheitsdienstleistungen anzubieten, sondern soziale Isolation zu vermeiden und die Pflege, Altenhilfe und das Wohlfahrtswesen in ländlichen Regionen beispielhaft zu ermöglichen.

Um dieser neuen sozialen Infrastruktur als ein Leitsystem einer zukunftsfähigen Versorgung räumlich und gestalterisch ein Gesicht zu geben, wurde im Rahmen von öffentlichen Dorfgesprächen die Idee entwickelt, die zukünftigen Gesundheitskioske an den zentralen Bushaltestellen der Gemeinden anzudocken und die öffentliche Mobilitätsinfrastruktur damit zu verknüpfen, um auch Bewohner:innen anderer Gemeinden am Angebot partizipieren zu lassen. Im Auftrag der IBA Thüringen erarbeitete daraufhin Pasel-K Architects aus Berlin ein Design-Manual, dass die maximal 25 qm großen Kioske je Gemeinde als architektonische Familie begreift, die trotz unterschiedlicher Standorte ein zusammenhängendes Ganzes bilden. Sie dienen jeweils als Beratungsraum genauso wie als zuschaltbaren Wartebereich für den Bus und haben eine Toilette integriert. Als hochwertige Holzkonstruktion mit erneuerbarer, autarker Strom- und Wärmeversorgung (Infrarotheizung) ausgeführt, wird die Bauweise je Standort und Gemeinde individuell erfolgen, um gleichzeitig neue Wege Thüringer Holzbaukulturen vorzustellen und zu vermitteln.

Konstruktion, Klima, Nachhaltigkeit Der experimentelle Charakter des Vorhabens dient der Entwicklung von prototypischen Bauten einerseits und der Entwicklung neuer kollaborativer Prozesse andererseits. Beidem kommt eine Modellrolle zu, die weit über die Region hinausstrahlt. Anhand der Gesundheitskioske wird so ein konkreter Beitrag zu einer neuen regionalen Baukultur generiert, der den ländlichen Raum als Chance begreift Neues zu schaffen und Innovation und zeitgenössische Gestaltung mit lokaler Tradition in Einklang bringt.

Text: Pasel-K Architects
Fotos: Thomas Müller

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